Connect with us

Nachrichten

BERLINALE 2023: Drei ARD-Koproduktionen im Wettbewerb

München (ots) –

Zahlreiche Koproduktionen im offiziellen Programm der 73. Internationalen Filmfestspiele

Christine Strobl, ARD-Programmdirektorin: „Dank der großartigen Leistung der Kreativen und ProduzentInnen geht die ARD in diesem Jahr mit drei Koproduktionen auf Bären-Jagd. Mein Dank gilt allen, die diese intensiven Filme realisiert haben. Unsere zahlreichen Koproduktionen im offiziellen BERLINALE-Programm zeigen, wie vielfältig, jung und nah an den Themen, die die Menschen bewegen, das kulturelle Filmangebot der ARD ist. Vor allem aber machen wir mit unserem starken Auftritt auf der BERLINALE deutlich, dass uns am Kino unverändert gelegen ist. Die große Leinwand setzt weiterhin inhaltlich wie ästhetisch Maßstäbe – auch für unsere Mediathek, mit der wir die ARD in der digitalen Welt neu ausrichten und verankern.“

Der tragische Liebesfilm „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ (MDR/ARTE/SWR/rbb) ist eine der drei ARD-Koproduktionen, die im „Wettbewerb“ der diesjährigen BERLINALE stehen. Regisseurin Emily Atef schrieb das Drehbuch nach dem gleichnamigen Roman von Daniela Krien: Es ist ein heißer Sommer im Jahr 1990 in einem Dorf in Thüringen. Die bald 19-jährige Maria (Marlene Burow) lebt mit ihrem Freund Johannes (Cedric Eich) auf dem Hof seiner Eltern und verliert sich lieber in Büchern, als ihren Schulabschluss zu machen. Die Spannung des Umbruchs liegt in der Luft, als sie zufällig Henner (Felix Kramer), dem Bauern des benachbarten Hofes, begegnet. Eine Berührung reicht aus, um eine überwältigende Leidenschaft zwischen Maria und dem doppelt so alten, eigenwillig charismatischen Mann zu entfachen. In einer Atmosphäre, die von Möglichkeiten vibriert, entsteht im Geheimen eine alles verzehrende Liebe voller Sehnsucht und Begehren. In weiteren Hauptrollen spielen u.a. Silke Bodenbender, Jördis Triebel und Christine Schorn.

Ebenfalls im „Wettbewerb“: „Bis ans Ende der Nacht“ (WDR/ARTE)von Christoph Hochhäusler, der gemeinsam mit Florian Plumeyer auch das Drehbuch schrieb: Um das Vertrauen eines Großdealers zu gewinnen, soll sich der verdeckte Ermittler Robert (Timocin Ziegler) als Partner der trans*Frau Leni (Thea Ehre) ins Milieu einschleusen lassen. Für Robert wird die Geschichte kompliziert, da sich die Linie zwischen Spiel und echten Gefühlen für ihn immer mehr verschiebt. Für Leni stellt sich die Frage gar nicht; sie hat ohnehin keine Wahl. Vom Erfolg der Mission hängt ab, ob sie wieder zurück ins Gefängnis muss. Es ist ausgerechnet Victor (Michael Sideris), der Großdealer, der Robert dazu bringt, sich seinen widersprechenden Liebesgefühlen zu stellen.

Der dritte „Wettbewerb“-Beitrag ist „Music“ (WDR/ARTE) von Regisseurin Angela Schanelec, die auch das Drehbuch schrieb: Nach einem nächtlichen Sturm in den griechischen Bergen findet ein Sanitäter einen neugeborenen Jungen. Er bringt ihn seiner Frau; an Sohnes statt ziehen sie ihn auf. Zwanzig Jahre später wird der junge Mann auf einer Landstraße überfallen. Er macht sich des Totschlags schuldig. Er wird inhaftiert und lernt im Gefängnis eine Beamtin Iro kennen. Sie scheint seine Anwesenheit zu suchen, kümmert sich um ihn und nimmt Musik für ihn auf. Er verliebt sich. Nach ihrem tragischen Tod werden seine Augen zunehmend schlechter. In den Hauptrollen der freien und heutigen Adaption des Dramas „König Ödipus“ von Sophokles spielen u.a. Aliocha Schneider, Agathe Bonitzer, Marisha Triantafyllidou und Agyris Xafis.

Advertisement

„Sieben Winter in Teheran“ (WDR) ist der Eröffnungsfilm der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“, in der in diesem Jahr fünf ARD-Koproduktion laufen: Der Film von Steffi Niederzoll dokumentiert einen Justizskandal im Iran. Eine junge Studentin wurde nach sieben Jahren im Gefängnis gehängt. Verurteilt war sie wegen Mordes – dabei hatte sie aus Notwehr einen Mann erstochen, der sie vergewaltigen wollte. Trotz internationaler Proteste und Bemühungen ließ die iranische Justiz das Prinzip der „Blutrache“ walten: Hätte Reyhaneh Jabbari öffentlich erklärt, es habe keinen Vergewaltigungsversuch gegeben, wäre das Urteil nicht vollstreckt worden. Reyhaneh blieb bei der Wahrheit und zahlte mit ihrem Leben. Der mit Hilfe von Originalmaterial erzählte Fall stärkt die immer lauteren Proteste gegen das Mullah-Regime, das vor allem Frauen das Leben zunehmend schwer macht.

„Ararat“ (SR/ARTE) von Regisseur und Drehbuchautor Engin Kundag erzählt die Geschichte der Deutsch-Türkin Zeynep (Merve Aksoy), der vorgeworfen wird, absichtlich einen Unfall verursacht zu haben, um ihrem Freund Schaden zuzufügen. Sie flüchtet aus Berlin zu ihren Eltern in die türkische Provinz zum erloschenen Vulkan Ararat. In ihrem Kosmos voller Widersprüche bringt Zeynep die festgefahrene Ehe ihrer Eltern und eine ganze Gesellschaft durcheinander. Aber es gelingt ihr nicht, die schlummernden Dämonen ihrer Vergangenheit zum Schweigen zu bringen.

„Elaha“ (SWR/ARTE) von Milena Aboyan, die gemeinsam mit Constantin Hatz auch das Drehbuch zum Film schrieb, handelt von einer jungen Frau, die zerrissen ist zwischen sexueller Selbstbestimmung und den Normen ihrer Community: Die 22-jährige Elaha (Bayan Layla) ist keine Jungfrau mehr. Damit niemand von ihrem vorehelichen Sex erfährt, setzt Elaha alles daran, ihre Jungfräulichkeit wiederzuerlangen. Ein plastischer Chirurg soll ihr dabei helfen. Doch sie kann das Geld für den kostspieligen operativen Eingriff nicht aufbringen. Auf der Suche nach einer Alternative stößt sie auf ein spezielles Produkt – eine Kapsel mit künstlichem Blut. Doch diese vermeintliche Lösung zwingt sie in die Selbstausbeutung.

Sophia Mocorreas Film „Die Brautentführung“ (rbb) erzählt die Geschichte von Luisa (Rai Todoroff) aus Buenos Aires und Fred (David Bruning) aus Brandenburg, die eine gleichberechtigte Beziehung ohne Konventionen führen. Auf ihrer Hochzeit werden sie von den Erwartungen anderer eingeholt: Die merkwürdige Tradition der Brautentführung stellt ihren Lebensentwurf infrage.

Der Dokumentarfilm „Kashkash – ohne Federn können wir nicht leben“ (SWR) von Lea Najjar wird als Gast in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ gezeigt: Zweimal täglich bevölkern Tauben den Himmel über Beirut. Ihr Flug folgt der Tradition eines uralten Spiels. Jeder Spieler lässt seine Tauben über seinem Viertel kreisen, in der Hoffnung, die Tauben des Nachbarn auf das eigene Dach zu locken und so den eigenen Schwarm zu vergrößern. Das Schicksal der Tauben ist es, verzockt und weiterverkauft zu werden. Während die Tauben über der Stadt kreisen, taucht der Film in die Lebensrealitäten ihrer Besitzer ein.

Auch die Sektion „Panorama“ eröffnet in diesem Jahr mit einer ARD-Koproduktion: Der Animationsfilm „La Sirène“ (SR/ARTE) von Regisseurin Sepideh Farsi führt in den Iran im Jahr 1980. Nach einem irakischen Raketenangriff versinkt die Ölmetropole Abadan im Chaos. Der 14-jährige Omid ist als Essenslieferant unterwegs. Er sucht nach seinem verschwundenen Bruder und nach einem Fluchtweg aus der eingekesselten Stadt.

Der ukrainische Filmemacher Roman Liubyi stellt seinen Dokumentarfilm „Iron Butterflies“ (rbb/ARTE) im „Panorama“ vor: Im Zentrum dieses Lehrstücks politischer Aufklärung steht der Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 über der Ostukraine im Jahr 2014. Investigativ, demaskierend und präzise legt der Film die Mechanismen russischer Kriegsführung frei.

Advertisement

Mit ihrer schwarzen Komödie „Sisi & Ich“ (BR/SWR/ARTE/SRF) taucht Regisseurin Frauke Finsterwalder, die gemeinsam mit Christian Kracht auch das Drehbuch schrieb, in die Welt der K.-u.-k.-Monarchie ein: Als Hofdame Irma (Sandra Hüller) ihren Dienst antritt, verliebt sie sich Hals über Kopf in die mitreißende, freiheitsliebende Kaiserin Sisi (Susanne Wolff), die in Griechenland in einer Art adligen Kommune lebt. Umgeben von Frauen, weit weg von Kaiser Franz Joseph. Gemeinsam reisen sie, wohin sie die Laune trägt. Und alles könnte ewig so weitergehen, wäre Sisi nicht die Kaiserin.

In der Sektion „Forum“ wird der Dokumentarfilm „Gehen und Bleiben“ (rbb/MDR) gezeigt. Nach dem Buch von Barbara Frankenstein erzählt Regisseur Volker Koepp von Menschen in den Ostseeregionen Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins und von ihren Begegnungen mit dem in Pommern geborenen Schriftsteller Uwe Johnson. Von dort stammt auch der Regisseur, der in seinem Film Johnsons weltgewandte literarische Stimme in den Landschaften ihrer Herkunftsregion sucht. Textzitate von Johnson eröffnen dabei einen filmischen Erzählraum, der Vergangenheit und Gegenwart gedanklich und sinnlich zusammenführt.

In der Sektion „Encounters“ feiert Ayse Polats Film „Im toten Winkel“ (WDR/ARTE)Premiere. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Regisseur Martin, der nach Diyarbakir gereist ist, um einen Dokumentarfilm zu drehen. Seine Übersetzerin ist die kurdische Studentin Leyla, die Nachhilfelehrerin der siebenjährigen Melek, deren Vater Zafer ein türkischer Geheimagent ist. Diese verhängnisvolle Konstellation lässt die paranoide Stimmung eskalieren und schließlich tödlich enden. In den Hauptrollen spielen Katja Bürkle, Ahmet Varli, Çagla Yurga, Aybi Era und Maximilian Hemmersdorfer.

In der Sektion „Generation“ läuft Enzo D’Alos Animationsfilm „A Greyhound of a Girl“ (hr/BR): Oma ist die Beste. Bei ihr gibt es kein Konservenessen, sondern Rezepte für mehr Genuss im Leben. Die elfjährige Mary hat eine Leidenschaft fürs Kochen und träumt davon, eine große Köchin zu werden. Ihre Großmutter Emer ermutigt sie, ihren Traum wahr werden zu lassen. Als sie krank wird, befürchtet Mary das Schlimmste. In der Verfilmung von Roddy Doyles Roman schreibt eine Familie gemeinsam die schönsten Geschichten.

Weitere ARD-Koproduktionen werden im „European Film Market“ (EFM), dem internationalen Film-Handelsplatz der BERLINALE, gezeigt, so u.a. „Togoland Projektionen“ (rbb) von Filmemacher Jürgen Ellinghaus oder im „Series Market“, der eine Auswahl an Serien mit hohem Marktpotential präsentiert, die Serie „Schnee“ (ORF/BR/NDR/ARTE) mit Brigitte Hobmeier, Robert Stadlober, Marie-Luise Stockinger in den Hauptrollen.

Der rbb ist Ko-Partner der BERLINALE und berichtet umfassend im rbb Fernsehen, in seinen Hörfunkprogrammen und im Internet über die 73. Internationalen Filmfestspiele. Im Ersten wird das Kulturmagazin „ttt“ am Sonntag, 19. Februar, um 23:35 Uhr in einem Spezial mit Max Moor über die Höhepunkte, Themen und Trends der diesjährigen BERLINALE informieren.

BERLINALE 2023 – die ARD-Koproduktionen in der Übersicht

Advertisement

WETTBEWERB
Irgendwann werden wir uns alles erzählen (MDR/ARTE/SWR/rbb)
Produktion: ROW Pictures
Bis ans Ende der Nacht (WDR/ARTE)
Produktion: Heimatfilm
Music (WDR/ARTE)
Produktion: faktura film in Koproduktion mit Les Films de’l’Après-Midi

PERSPEKTIVE DEUTSCHES KINO
Sieben Winter in Teheran (WDR)
Produktion: Made in Germany in Koproduktion mit Gloria Films Production und TS Productions
Ararat (SR/ARTE)
Produktion: Zeitgeist Filmproduktion
Elaha (SWR/ARTE)
Produktion: Kinescope Film in Koproduktion mit Essence Film
Die Brautentführung (rbb)
Produktion: Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf
als Gast in der Sektion: „Kashkash – ohne Federn können wir nicht leben“ (SWR)
Produktion: FFL Film- und Fernseh-Labor Ludwigsburg, Filmakademie Baden-Württemberg

PANORAMA
La Sirène (SR/ARTE)
Produktion: Les Films d’Ici
Iron Butterflies (rbb/ARTE)
Produktion: Babylon13 in Koproduktion mit Trimafilm
Sisi & Ich (BR/SWR/ARTE/SRF)
Produktion: Walker + Worm Film in Koproduktion mit C-Films, DOR Film und DCM

FORUM
Gehen und Bleiben (rbb/MDR)
Produktion: Vineta Film

ENCOUNTERS
Im toten Winkel (WDR/ARTE)
Produktion: Mitosfilm

GENERATION
A Greyhound of a Girl (hr/BR)
Produktion: Paul Thiltges Distribution, Aliante, Fish Blowing Bubbles, JAM Media, GOAG Prod, Rija Films, Amrion Production

Pressekontakt:

Advertisement

Dr. Lars Jacob, ARD-Programmdirektion, Presse und Information
Tel.: 089/558944-898, E-Mail: lars.jacob@ard.de

Original-Content von: ARD Das Erste, übermittelt durch news aktuell

Externer Link: Original-Beitrag anzeigen