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„NACHTCAFÉ: Vergeben und vergessen?“

Baden-Baden (ots) –

Michael Steinbrecher spricht u. a. mit Martin Hochhuth – Sohn des Dramatikers Rolf Hochhuth /Fr., 12.11.21, 22 Uhr, SWR Fernsehen / nach Ausstrahlung ein Jahr online

Es gibt grausame Taten, die es auf den ersten Blick unmöglich machen, den Täter:innen zu verzeihen. Dennoch ist Vergebung für das Weiterleben von Opfern und Hinterbliebenen nicht selten der heilsamere Weg. Anders sieht es für diejenigen aus, die sich selbst etwas zu Schulden haben kommen lassen. Und die sich manchmal nichts mehr wünschen, als die ausgestreckte Hand der Menschen ergreifen zu dürfen, denen sie geschadet haben. Aber es gibt auch durchaus gute Gründe, Versöhnungsangebote auszuschlagen. Welcher Weg ist richtig? Kann man einfach vergessen, ohne vergeben zu haben? Darüber spricht Michael Steinbrecher mit seinen Gästen im „NACHTCAFÉ: Vergeben und vergessen?“ am Freitag, 12. November 2021, 22 Uhr, im SWR Fernsehen. Nach Ausstrahlung auch ein Jahr verfügbar in der ARD Mediathek und auf dem SWR Youtube Channel.

Die Gäste im „NACHTCAFÉ“:

Martin Hochhuth ist der Sohn des Dramatikers Rolf Hochhuth

„Mein Vater hat das Vergessen in Deutschland beendet“, sagt der Jurist und Rechtsphilosoph Martin Hochhuth über seinen Vater, den Dramatiker Rolf Hochhuth, der mit Werken wie „Der Stellvertreter“ immer wieder gegen den Nationalsozialismus anschrieb. „Selbst, wenn von seiner Literatur gar nichts bliebe, diese Leistung würde immer bleiben“, so Martin Hochhuth, der ein ambivalentes Verhältnis zu seinem Vater pflegte: „Er konnte liebevoll sein, aber manchmal war ein falsches Wort schon zu viel.“

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Claudia Fromme verlor ihren Ehemann und ihre Tochter bei einem Autounfall

Auf eisglatter Fahrbahn verlor Claudia Fromme die Kontrolle über ihr Auto. Dabei starben ihr Mann und ihre Tochter. Sie überlebte den Unfall, musste aber lernen, sich zu verzeihen und mit den Schuldgefühlen umzugehen: „Ich habe die Entscheidung getroffen, nicht verbittert zu werden“, sagt Fromme: „Ich möchte wieder glücklich sein, und das kann ich nicht, wenn ich mir immer wieder Selbstvorwürfe mache.“

Jane König wurde von ihrer Mutter gequält und von ihrem Stiefvater missbraucht

Kaum zu vergessen und zu vergeben ist, was Jane König erlebt hat: In ihrer Kindheit wurde sie von der Mutter gequält und vom Stiefvater missbraucht. Erst kürzlich erfuhr sie: Ihre Mutter ist sogar eine Mörderin. Kann man solchen Eltern verzeihen? „Ich konzentriere mich auf die positiven Sachen, die durch das entstanden sind, was mir angetan wurde“, sagt König heute: „Ich bin, wer ich bin, weil ich eine Kämpferin bin, weil ich die Fähigkeiten hatte, das alles zu überleben.“

Roland Augst wurde als Polizist im Dienst fast zu Tode geprügelt

Roland Augst wurde 2020 im Einsatz als Polizist brutal niedergeschlagen, schwer verletzt und anschließend im Netz verhöhnt – eine Kneipen-Schlägerei, die eskalierte. Unter den körperlichen und psychischen Folgen leiden er und seine Familie bis heute. Entschuldigungen der Täter wollte er nicht annehmen. „Natürlich werde ich das nie vergessen“, meint er: „Ich werde jeden Tag damit konfrontiert.“ Augst ist seit der Tat dienstunfähig – und wünscht sich nichts mehr als Normalität.

Gabriela Odermatt erlitt einen Behandlungsfehler in der Schwangerschaft

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Ein glückliches, normales Familienleben hatte sich auch Gabriela Odermatt vorgestellt. Doch ihre Kinder kamen beide mit Behinderungen zur Welt – ihre Ehe zerbrach an dieser Belastung. Erst vor vier Jahren erfuhr sie, dass ein Medikament, das ihr ein Arzt während ihren Schwangerschaften verschrieben hatte, der Grund für all das ist, was sie und ihre Kinder täglich durchmachen. „Als ich den Arzt damit konfrontierte, weinte ich“, erzählt sie, „eine Entschuldigung kam von ihm bis heute nicht.“

Michaela Huber ist als Trauma- und Psychotherapeutin tätig

Trauma- und Psychotherapeutin Michaela Huber sieht in ihrer Praxis täglich, wie sehr Menschen das Thema Verzeihen beschäftigt. „Ich erlebe Leid, Hass, Kummer, Selbstvorwürfe und Wut, wenn sich Menschen damit auseinandersetzen“, so Huber. Der entscheidende Prozess finde dabei immer im Inneren des Verzeihenden statt, der die Frage beantworten müsse: „Kann ich loslassen?“ Aber auch das Nicht-Verzeihen könne durchaus eine Option sei, mit der man am Ende gut leben könne.

„NACHTCAFÉ“ – anspruchsvoller Talk auf Augenhöhe

Das „NACHTCAFÉ“ ist seit Jahrzehnten eine der erfolgreichsten Talkshows im deutschen Fernsehen. Jeden Freitagabend begrüßt Moderator Michael Steinbrecher Menschen mit besonderen Lebensgeschichten, darunter auch Prominente und Expert:innen, um sich gemeinsam mit ihnen mit einem Thema auseinanderzusetzen.

Außerdem verfügbar: Podcast „NACHTCAFÉ – Das wahre Leben“

Alle zwei Wochen eine neue Folge, abrufbar u. a. unter:

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ARD Audiothek im iTunes-Store (Apple) (https://itunes.apple.com/de/app/ard-audiothek/id1224607890?mt=8)

ARD Audiothek im Google-Play-Store (Android) (https://play.google.com/store/apps/details?id=de.ard.audiothek&hl=de)

https://www.ardaudiothek.de/

„NACHTCAFÉ: Vergeben und vergessen?“ am Freitag, 12. November 2021, 22 Uhr im SWR Fernsehen

Online auch in der ARD Mediathek unter: https://www.ardmediathek.de/ard/sendung/nachtcafe/Y3JpZDovL3N3ci5kZS8yMjUwOTk0/

Auf Youtube unter: https://www.youtube.com/playlist?list=PLqcJ1tIeqh4jIJiA4ubCLf6qLE5k5FXSi

Weitere Informationen unter:

http://swr.li/nachtcafe-vergeben-und-vergessen-2021

Fotos über www.ARD-Foto.de

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Pressekontakt: Grit Krüger, Tel. 07221 929 22285, grit.krueger@SWR.de

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